Haiti-Kinderhilfe

Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Im Zusammenhang mit dem Erdbeben von 2010 und unter dem Einfluss der Berichte über Hilfsorganisationen, deren übereilte Hilfe angeblich eher einer Verschwendung von Spendengeldern gleichgekommen sei, haben viele unserer Spender besonderen Wert darauf gelegt, dass wir Projekte nachhaltig entwickeln und kontrolliert realisieren. Die Spendengelder sollten also möglichst langfristig und sinnvoll eingesetzt werden. Diesem Versprechen fühlen wir uns verpflichtet und glauben mit diesem Projekt eine wirklich tragfähige Alternative zu gestalten.

Wir haben uns aber auch für diese Region auf dem Plateau Central entschieden, weil Hinche direkt an der neuen, sehr gut ausgebauten Straße zwischen Port-au-Prince und Cap Haitien liegt und deshalb von beiden Städten schnell erreichbar ist. Port-au-Prince, und damit der internationale Flughafen, ist nur gute zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Von Hinche aus gibt es Sandstraßen in die verschiedenen Orte. Da sich unser Verein bereits in der Region engagiert, haben wir auch einige Verbindungen und sind regional nicht unbekannt, sogar angesehen, weil unsere Schule in Billiguy weitbekannt und geschätzt ist und weil der sehr enge Kontakt zur Frauenföderation in Maissade ebenfalls Türen öffnet. Zudem ist die Region im Landesinneren geschützt gegen die jährlichen Hurrikans und liegt nicht in der erdbebengefährdeten Zone.

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Maissade

Nachtrag: Krank sein in Haiti

Reflektion zur durchgeführten Reihenuntersuchung der Kinder unseres Projekts kay ti moun.

Sonntag, 14 Mai 2017.
Nachtrag: Krank sein in Haiti

Reflektion zur durchgeführten Reihenuntersuchung der Kinder unseres Projekts kay ti moun.

20 % aller Eltern kamen nie um sich nach den Untersuchungsergebnissen zu erkundigen. Man kann es entschuldigen, dass die Eltern selbst so in Ihrer Armut und Misere gefangen sind, dass die Wertschätzung für ihr Kind ganz weit weg ist.
Oftmals kommen die Kinder mit Nachbarn, größeren Geschwistern oder Großeltern zum Kindergarten. Wir haben die Eltern suchen zu lassen und sie dann einbestellt.
Fast alle Kinder der Reihenuntersuchung hatten Anämie und während der vergangenen vier Wochen gaben wir täglich allen Kindern spezielle Multivitamine.

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Fast alle Kinder der Reihenuntersuchung hatten Anämie und während der vergangenen vier Wochen gaben wir täglich allen Kindern spezielle Multivitamine.

Für alle kranken Kinder hatten wir die benötigten Medikamente besorgt und gepackt, die Hälfte davon wurde niemals von den Eltern abgeholt.

Über ein Drittel der Kinder hat Hautprobleme. Wir haben spezielle Seifen, Shampoos und Cremes gekauft. Für jeden Montag und Freitag haben wir vereinbart, dass diese Kinder hier im Kindergarten gewaschen werden können, da wir fließendes Wasser haben. Auch während der Weihnachtsferien.
Die Hälfte kam, aber auch nicht regelmäßig. Ein weiteres Problem ist, dass die Kinder zu Hause nackt rumlaufen und sich so immer wieder infizieren. Wird wohl ein Kreislauf bleiben……geben aber die Aktion Montag und Freitag waschen nicht auf.
Bei einigen Kindern besteht der Verdacht auf Malaria oder typhoides Fieber, auch als Bauchtyphus bekannt. Farah versuchte im staatlichen Landeskrankenhaus die entsprechenden Tests durchführen zu lassen. Antwort: „kein Zubehör, nicht möglich“. Eine Schande, Malaria ist eine Massenkrankheit hier und kann nicht diagnostiziert werden. Wir haben nun ein privates Labor gefunden.

Ein Kind mit Verdacht auf Asperger Autismus – hier sind wir noch hilflos.

Zwei Kinder haben so niedrige Werte ihrer Blutplättchen, dass Verdacht eventuell Bluter oder auch Leukämie sein könnte.
Drei Kinder hören fast nichts und nochmals drei andere Kinder sehen schlecht.

Seit einem Jahr gibt es ein neues Krankenhaus der Bill Gates Fundation. Ist führend in Haiti. Wir planen dorthin zu fahren.
Erklären dies den Eltern. Selbstverständlich können sie selbst entscheiden. Wir wollen nicht verantwortlich sein für die Gesundheit der Kinder, stehen den Eltern aber immer als Hilfe zur Verfügung. Die Eltern sind überfordert. Einerseits die Kosten der Reise, sowie sich in dieser ‚anderen Welt‘ zurechtzufinden. Es sind ärmste Bauer und fast alle Analphabeten. Wir versichern ihnen, wenn sie wollen helfen wir ihnen finanziell und werden auch mit ihnen die Reise machen.

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Es ist uns bekannt, dass der Patient erst im Krankenhaus erfasst wird und eine Patientenkarte bekommt. Erst dann geht es weiter. Die Reise ist für Donnerstag geplant, da von Maissade sehr früh ein Bus direkt nach Port-au-Prince fährt. Das Krankenhaus ist in Mirbalais, ca. 2 ½ Stunden von hier entfernt.
Da der Bus so früh fährt, nehmen die Eltern ihre Kinder mit, in der Hoffnung am gleichen Tag noch eine Untersuchung zu bekommen. Guither aus dem Patenschaftsprogramm der Haiti-Kinderhilfe und mit seinem Studium fertig, ist gerade hier für ein Praktikum, begleitet sie. Wir bekommen nachmittags gemeldet, dass der Bus auf halber Strecke eine Panne hatte, die Gruppe versuchte mit Motorrad Taxis nach Mirbalais zu kommen. Das ganze geliehene Geld wird extra benötigt und die Gruppe kommt noch vier Stunden verspätet an. Sie schaffen es gerade noch für jedes Kind die Patientenkarte erstellen zu lassen. Die Termine um die Akte anzulegen, dann einen Arzt zu sehen, sind erst wieder am nächsten Morgen um 6 Uhr.
Guither muss nach Port-au-Prince weiter und informiert uns, dass die Eltern mit ihren Kindern, so wie es unzählige andere Menschen machen, auf dem Rasen vor dem Krankenhaus schlafen werden, um am nächsten Morgen um 6 Uhr in der Schlange zu stehen.
Für uns ist es klar, dass sich sofort jemand nach Mirbalais aufmachen muss, um mit Geld und Lebensmitteln zu helfen, auch muss eine Unterkunft gefunden werden. Farah startet sofort mit Motorrad Taxi und Bus und kommt am Spätnachmittag an. Findet auch einen Vater, der gerade dabei ist eine Plastikplane für sich und sein Kind für die Nacht auszuleihen. Die anderen Eltern hätten sich doch noch auf den Weg zurück nach Bangage gemacht, da sie ja nichts für ihre Kinder und für sich selber zum Übernachten im Freien hatten. Farah findet für sich, den Vater und den Jungen eine Bleibe. Total überteuert, da ein Run auf das Krankenhaus ist.

Wir heuern nun hier ein Motorrad Taxi an und suchen die Eltern, die gerade wieder nach Hause kamen. Erklären, dass Farah in Mirbalais ist, auf sie warten würde und mit ihnen den nächsten Schritt macht. Aber man muss noch nachts wieder aufbrechen. Wir leihen den Eltern erneut das benötigte Geld und wünschen viel Glück.

Farah meldet sich am nächsten Morgen schon um 5 Uhr 30 und erzählt, dass schon seit 3 Uhr nachts die Leute in einer Schlange stehen. „Unsere“ Eltern, dieses Mal ohne Kinder, haben an diesem Tag das Glück, dass sie nun schon mal einen Termin mit einem Ohrenarzt bekommen, allerdings erste Ende April.

Augenarzt gibt es noch nicht, allerdings soll es an einem anderen Ort ein Krankenhaus geben und dort ist wohl an zwei Tagen ein Augenarzt. Also auch Hoffnung.

Das Kind mit den schlechten Blutwerten bekommt direkt am Montag um 6 Uhr einen Termin zur nochmaligen Blutabnahme und am Dienstag 6 Uhr ein Gespräch mit dem Kinderarzt.
Die Mutter kommt am Samstag zum Besprechen. Wir haben aber leider keine Zeit und bitten sie am Sonntag zu kommen. Wir warten den ganzen Sonntag – keiner kommt. Sie müsste sich unbedingt auf den Weg machen. Wir lassen sie in den Bergen suchen, sie kommt am Spätnachmittag. Sie ist mutlos, ihr Mann arbeitet in der Dominikanischen Republik als Landarbeiter und sie lebt alleine mit ihrem Kind. Wir sprechen lange und überzeugen sie, den Termin wahrzunehmen. Allerdings wird sie es mit 6 Uhr morgens nicht rechtzeitig schaffen. Wir leihen ihr eine große Plane und Conny ihren Rucksack, da sie vor dem Krankenhaus auf dem Boden mit ihrem Kind schlafen wird. Kommt am Montag zu spät, man hat aber Einsehen und sie wird für Dienstag zum Labor eingeteilt. Sie muss also zwei Nächte im Freien schlafen.
Farah fährt am Mittwochmorgen noch in der Dunkelheit nach Mirbalais und ist mit der Mutter beim Arztgespräch dabei. Gott sei Dank nicht so dramatisch, die Wert haben sich verbessert, zwar immer noch unter dem Normalwert. Das Kind bekommt Medikamente und in vier Wochen wieder einen Termin.

Tja,…..wir haben die finanziellen Möglichkeiten zu helfen, unser Personal hat sicheres Auftreten und Durchsetzungsvermögen.
Aber wenn nicht……….

Besinnliche Grüße aus Haiti
Roswitha Weiss

 

PS: Liebe Leser, dieser Bericht wurde schon im Februar 2017 kurz nach der Reihenuntersuchung, die wir in unserer Schule veranlasst hatten, siehe auch Reiseberichte im blog. Leider ist durch ein Versehen der Bericht nicht veröffentlicht worden. Das wird hiermit nachgeholt.

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Vor den Toren der Stadt Hinche beginnt eine von der Regierung Haitis völlig vernachlässigte Region, die auch von den meisten Hilfsorganisationen bislang unbeachtet blieb. Hier ist das Land noch ursprünglich, die Natur zwar ausgebeutet, aber nicht zersiedelt. Die Menschen, wenn auch weitestgehend unterernährt und bettelarm, so doch dankbar für jede Hilfe, die sie erhalten. Wir unterstützen dort bereits mehrere Schulen und haben eine Maniok-Mühle ausgebaut, die für die Versorgung der Schulkinder immens wichtig ist. Immer wieder sind wir begeistert von der Kreativität und Energie dieser Menschen, die nur ein Ziel zu kennen scheinen: ihre Situation zu verbessern.

Für den Anschub des Projektes und für die Realisation der einzelnen Bauabschnitte sind wir gut aufgestellt, dennoch wird uns dieses Projekt auch finanziell in den nächsten Jahren stark beanspruchen. Deshalb werden wir nach wie vor auf die Großzügigkeit unserer Spender und Sponsoren vertrauen müssen.

Ihnen möchten wir unser Projekt ans Herz legen.

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