Haiti-Kinderhilfe

Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Im Zusammenhang mit dem Erdbeben von 2010 und unter dem Einfluss der Berichte über Hilfsorganisationen, deren übereilte Hilfe angeblich eher einer Verschwendung von Spendengeldern gleichgekommen sei, haben viele unserer Spender besonderen Wert darauf gelegt, dass wir Projekte nachhaltig entwickeln und kontrolliert realisieren. Die Spendengelder sollten also möglichst langfristig und sinnvoll eingesetzt werden. Diesem Versprechen fühlen wir uns verpflichtet und glauben mit diesem Projekt eine wirklich tragfähige Alternative zu gestalten.

Wir haben uns aber auch für diese Region auf dem Plateau Central entschieden, weil Hinche direkt an der neuen, sehr gut ausgebauten Straße zwischen Port-au-Prince und Cap Haitien liegt und deshalb von beiden Städten schnell erreichbar ist. Port-au-Prince, und damit der internationale Flughafen, ist nur gute zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Von Hinche aus gibt es Sandstraßen in die verschiedenen Orte. Da sich unser Verein bereits in der Region engagiert, haben wir auch einige Verbindungen und sind regional nicht unbekannt, sogar angesehen, weil unsere Schule in Billiguy weitbekannt und geschätzt ist und weil der sehr enge Kontakt zur Frauenföderation in Maissade ebenfalls Türen öffnet. Zudem ist die Region im Landesinneren geschützt gegen die jährlichen Hurrikans und liegt nicht in der erdbebengefährdeten Zone.

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Maissade

8. mail Reise Dezember 2015/Januar 2016

Dienstag, 09 Februar 2016.
8. mail Reise Dezember 2015/Januar 2016

Hallo.
Heute ist Sonntag und alles etwas ruhiger. Einige Leute arbeiten zwar aber es ist nicht der sonstige Wahnsinn wie seit Wochen. Es gibt zwei Sachen täglich, das sind Staub und Lärm. Schweiß-Gerät, Bohrhammer, Betonmischer, Wasserpumpen, rufende Maurer.......abends sind wir einfach nur platt. Ab 20 Uhr schlafen alle..., allerdings stehen wir mit den Hühnern vor 6 Uhr auf. Die Hitze ist ab Mittag richtig lähmend. Im September haben wir aus Kaktus und  Bambusrohren einen Zaun errichtet und das Grundstück geteilt, um dort Ziegen unterzubringen. Allerdings hielt dieser Zaun unsere angeschafften Ziegen nicht in ihrem Bereich. Immer wieder Ziegenalarm und speziell für Farah, die ja gerade ihren ersten Gemüsegarten anlegt, gingen wir immer wieder auf gemeinsames Ziegen einfangen. Der Kaktuszaun hielt die Ziegen nicht zurück, im Gegenteil, sie fraßen ihn ab.

Wir bauten nun einen 5reihigen Stacheldrahtzaun und seit einigen Tagen ist das Problem gelöst. Alle Ziegen wurden von einem 'selbst ernannten Tierarzt' gegen Parasiten eingesprüht, untersucht, mit einer bunten Schnur von uns markiert. Er 'kochte' einen farbeimergroßen Leckstein mit Mineralien, Salz und Zucker usw. für die Ziegen. Selbst die Kuh liebt diesen Leckstein und ich denke, wir sollten alle Monate einen solchen anfertigen lassen. Wir schimpfen zwar immer über die Ziegen, wenn sie uns wieder Bananenstauden, oder die Hecke im Kindergarten angefressen haben, aber sind doch auch von ihnen fasziniert. Ich finde sie recht intelligent.
Vor zehn Tagen bekam eine Ziege Zwillinge. Leider trank eines nicht richtig, holten auch wieder den 'Tierarzt', Babys und Mutter bekamen Spritzen mit angeblich Vitaminen. Wir verfolgten wie eines der kleinen Ziegen immer magerer wurde und versuchten es mit der Flasche zu füttern. Hatten leider keine Nuckel Flasche, sondern bastelten aus einer Limonadenflasche eine Trinkmöglichkeit. Leider starb das kleine Zicklein und wir waren alle recht betrübt. Ist halt Natur.... Soweit zu unseren Ziegen.
Unser Schwein wird immer fetter und anstelle des geplanten Schweinebratens zu Weihnachten, werden wir wohl noch ein weibliches Schwein kaufen und auch frei im abgetrennten Teil bei den Ziegen und Kühen laufen lassen.
Benzin oder Diesel, sprich eine Tankstelle gibt es nur in Hinche, also eine gute Stunde Offroad. Allerdings im nächsten Dorf kann man beides an der Straße in Kanistern kaufen, aber immer mit dem Risiko, dass es dreckig ist und man nie genau weiß was man bekommt. Für das Schweiß- Gerät müssen wir allerdings täglich das 'Motorrad Taxi' mit einem leeren Kanister zum Einkaufen schicken. Das Motorrad Taxi transportiert hier alles, vom Schweiß-Gerät (welches mit drei Leuten aufgeladen werden muss) bis vier Personen.
Der Kindergarten hatte nach den Bauarbeiten fast keine Grasnarbe mehr. Wir gossen zwar täglich, aber leider ohne Erfolg. Farah echt betrübt, dass die Kinder auf dem Lehmboden spielen müssen, bzw. wenn es regnet, der Boden wie eine Klebemasse ist. Wir hatten in Port-au-Prince Grassoden gekauft, allerdings reichte die Menge gerade zur Dekoration um die drei Pavillons und um den Sandkasten herum. Nach vielem Nachfragen brachten uns die Leute hier aus der Gras 3
Gegend kleine Muster und wir waren ganz begeistert, dass wir Grassoden kaufen könnten. Jeder versprach uns 'Unmengen', aber auch dann kam wieder zehn Tage lang nicht einer mit 'Ware'. Endlich eines Tages ein Verkäufer, allerdings müssten wir den Transport ab Straße organisieren, er würde es mit Eseln dorthin bringen. Schlussendlich nach zwei weiteren Tagen (als der Verkäufer, der das Gras auch anpflanzen musste, für seine Verhältnisse eine große Summe bekommen hatte) haben wir mehr 'Anbieter' als Fläche. Heinz fährt bis zu 15 x 'Grastransport' täglich. Überall kleine Gruppen die anpflanzen und wässern. Danach übernehmen wir das Gießen, was sich als viel Arbeit herausgestellt hat. Gott sei Dank haben wir den Brunnen und genügend Wasser. Es wird sicherlich nochmals 3 Monate dauern, bis die Kinder einen wirklich tollen Rasen haben, aber es hat sich dann gelohnt.
Unsere Bauplanung wurde durch die Unruhen in Port au Prince total verzögert. Ein LKW mit Baumaterial wartete tagelang in PaP und kam mit fast einer Woche Verspätung hier an. Aber immerhin - er kam an. Leider wie immer ist irgendwas nicht richtig und man muss wieder die nächste Fahrt nach PaP abwarten. Aber unser absolutes Frustprojekt täglich während sechs Tagen, war der Versuch, die Scharniere für die Fensterläden einzumauern. Wie ich ja im letzten Mail schrieb, haben wir so einen ganz 'exotischen' Kunstschmied empfohlen bekommen. Sprich, das Haus alles wunderbar fertig, aber nun, wie hängen wir denn die Fensterläden auf???? Unser Kunstschmied, brachte nach vielen Versuchen die Scharniere für die Wände. Es wurden nun alles genau auf die Wand gezeichnet und im stundenlangen Versuch mit einer Bohrmaschine Löcher in die Steinmauern gebohrt. Die Aufhänger gesetzt, eingemauert und dann der Versuch die Fensterläden festzuschrauben. Nachdem aber die Aufhängung so viel Spiel zum Bolzen hatte, hingen die Läden kreuz und quer. Nach sechs Tagen, immer noch am Versuch eines einzigen Fensters, war ich überzeugt, dass wir mit diesen Fensterläden-Scharnieren, es nie schaffen werden, einen Tür- oder Fensterladen aufzuhängen, der dann auch wirklich zu öffnen sein wird. Wir werden die Eisenteile in Deutschland besorgen und dann zu einem späteren Zeitpunkt einbauen. Aber die ganze Woche war der Vorarbeiter mit zwei der besten Maurer damit beschäftigt und wir haben hier wirklich unsere Zeit vertan. Es kommt selten vor, dass ich  einsehe, dass was nicht geht - aber hier war es wirklich nicht möglich.
Es gäbe noch 1000 tägliche Geschichten zu erzählen. Ich bin seit einer Woche schon dabei die Buchhaltung unseres Ingenieurs zu prüfen, Lohnabrechnungen einzuführen, Küche, Wäscherin, Bauarbeiter, Transport Zement, immer wieder ein fehlendes Ersatzteil zu organisieren, Waschtische zu planen und schweißen lassen, Gras gießen......Hühnerstall planen.......immer noch tägliche Körperpflege im Farbkübel mit etwas Wasser. Aber ich bin mir sicher irgendwann wird alles 'gut'.
Liebe Grüße
Roswitha

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Vor den Toren der Stadt Hinche beginnt eine von der Regierung Haitis völlig vernachlässigte Region, die auch von den meisten Hilfsorganisationen bislang unbeachtet blieb. Hier ist das Land noch ursprünglich, die Natur zwar ausgebeutet, aber nicht zersiedelt. Die Menschen, wenn auch weitestgehend unterernährt und bettelarm, so doch dankbar für jede Hilfe, die sie erhalten. Wir unterstützen dort bereits mehrere Schulen und haben eine Maniok-Mühle ausgebaut, die für die Versorgung der Schulkinder immens wichtig ist. Immer wieder sind wir begeistert von der Kreativität und Energie dieser Menschen, die nur ein Ziel zu kennen scheinen: ihre Situation zu verbessern.

Für den Anschub des Projektes und für die Realisation der einzelnen Bauabschnitte sind wir gut aufgestellt, dennoch wird uns dieses Projekt auch finanziell in den nächsten Jahren stark beanspruchen. Deshalb werden wir nach wie vor auf die Großzügigkeit unserer Spender und Sponsoren vertrauen müssen.

Ihnen möchten wir unser Projekt ans Herz legen.

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