Haiti-Kinderhilfe

Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Im Zusammenhang mit dem Erdbeben von 2010 und unter dem Einfluss der Berichte über Hilfsorganisationen, deren übereilte Hilfe angeblich eher einer Verschwendung von Spendengeldern gleichgekommen sei, haben viele unserer Spender besonderen Wert darauf gelegt, dass wir Projekte nachhaltig entwickeln und kontrolliert realisieren. Die Spendengelder sollten also möglichst langfristig und sinnvoll eingesetzt werden. Diesem Versprechen fühlen wir uns verpflichtet und glauben mit diesem Projekt eine wirklich tragfähige Alternative zu gestalten.

Wir haben uns aber auch für diese Region auf dem Plateau Central entschieden, weil Hinche direkt an der neuen, sehr gut ausgebauten Straße zwischen Port-au-Prince und Cap Haitien liegt und deshalb von beiden Städten schnell erreichbar ist. Port-au-Prince, und damit der internationale Flughafen, ist nur gute zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Von Hinche aus gibt es Sandstraßen in die verschiedenen Orte. Da sich unser Verein bereits in der Region engagiert, haben wir auch einige Verbindungen und sind regional nicht unbekannt, sogar angesehen, weil unsere Schule in Billiguy weitbekannt und geschätzt ist und weil der sehr enge Kontakt zur Frauenföderation in Maissade ebenfalls Türen öffnet. Zudem ist die Region im Landesinneren geschützt gegen die jährlichen Hurrikans und liegt nicht in der erdbebengefährdeten Zone.

IMG 2700

 

Maissade

5. mail Reise Dezember 2015

Donnerstag, 07 Januar 2016.
5. mail Reise Dezember 2015

Hallo, Irgendwie sind unsere Tage alle ähnlich. Die letzte Woche hatten wir jede Nacht von allen Bergen und aus den Dörfern Voodoo Trommeln, Singen, auch Schreien. Meist bis fünf Uhr morgens, aber da übernehmen die Hähne immer das Aufwecken. Wir schlafen immer noch auf dem Reservat unter unseren Abdeckplanen und irgendwie geht nichts irgendwie in großen Schritten weiter,
obwohl es ein Gewurle von Arbeitsteams gibt.

Am ersten Schultag mussten sich die Eltern eine Standpauke anhören, da sie zwar wissen, dass sie anstelle Schulgeld 1 Tag im Monat helfen müssen, aber irgendwie haben alle immer eine Ausrede und keine Zeit. Haben nun seit 2 Tagen 'Eltern-Teams', die bei der Bohnenernte helfen, das Gras im und Kindergarten schneiden. Auf einer ebenen Fläche gegenüber des Kindergartens legen wir mit den Eltern ein Mini Fußballfeld an. Heinz oder ich gießen jeden Tag bis zu 2 mal im Kindergarten alles Gras das vor zwei Monaten um die Pavillons herum, sowie die lebenden Hecken die angepflanzt wurden. Alles kommt schön langsam. Wir geben verschiedene Mini-„Werk“- Verträge aus. Die Arbeiter wollen das lieber als per Tageslohn zu arbeiten. Ein Team hebt im Kindergarten unter den Schaukeln und Kletterringen gerade eine große Wanne aus, die wir dann mit Sand und entweder trockenen Bohnen oder Erdnussschalen, bzw. auch mit den Hobelspänen des Schreiners auffüllen werden. So sollten sich die Kinder nicht verletzen. Das gleiche System ist auch für das Kletternetz geplant. Aber alles geht einfach langsam.
Natürlich ist es auch immer erschwerend, dass es fast kein vernünftiges Arbeitsmaterial gibt. Wir haben z.B. Pickel, importiert aus Brasilien, aber die Stiele sind aus China, passen also nicht wirklich rein. Es wird dann immer nach 'Lösungen' gesucht, aber es passt halt nie. Das ganze Material, das man dann endlich irgendwo findet, ist immer das billigste importierte, meist aus China.  Egal ob Löffel, Gartenrechen, Wasserschlauch oder Steckdose. Das ist auch der Fluch der Entwicklungsländer, dass man ihnen allen Dreck verkauft, die Leute x-mal mehr Geld ausgeben müssen, als wenn man einmal gute Qualität bekäme.
In Port au Prince hat man mehr Auswahl, aber außerhalb Port au Prince, findet man entweder gar nichts, oder nehme was man Dir anbietet.
Im Kindergarten haben wir das Problem, dass das Gelände uneben ist und durch die Bauarbeiten die Grasnarbe zerstört ist. Nach nun vier Wochen täglichem Gießen haben wir uns entschieden, den Außenbereich nochmals total zu überarbeiten. Sprich nochmals den nur auseinandergerechten Aushub total zu entfernen und alles mit Erde, die wir hier gelagert haben zu nivellieren. Wobei das nicht wirklich Mutterboden ist, wie wir es kennen. Es sind große Brocken, die man auseinander schlagen muss. Es wird hier in der Region ja auch Reis angebaut, und diese Erde hält das Wasser für den Reis zurück. Gleichzeitig haben wir bei allen Eltern gefragt, wer Gras zum Verkaufen hat. Haben nun verschiedene 'Anbieter', allerdings nur für kleine Mengen. Vier Schubkarren, sieben Schubkarren voll.......
Haben angeboten, dass ein Team uns einen Preisvorschlag für das gesamte Projekt geben soll. Lediglich das Gras kaufen wir, aber die Verkäufer sollen es selbst pflanzen, da wir den Restbetrag erst nach Anwachsen zahlen wollen. Eine Frau hat die Führung übernommen und ich bin gespannt wann wir mit den Endverhandlungen fertig sein werden. Ein anderes Team hat einen Vertrag gemacht, zur Reinigung des ganzen Unendlichen und überall verstreuten Bauschutts. bzw. überall liegt noch Baumaterial, bzw. sind die Betonstellen wo der Zement gemischt wurde. Die Fläche, die gereinigt werden muss ist grösser als das ganze bebaute Projekt!!!!!
Der Schreiner hat wieder seine 'Hobelecke' auf der Baustelle eröffnet und plant die Fensterläden und Türen. Hier große Diskussionen mit dem Bauteam, da die Vorstellungen der Maurer anders waren, als die des Schreiners. Es werden Lösungen gefunden, aber der Tag wo mal ein Zimmer ohne Mörtel, Dreck und Staub sein wird, scheint mir weit. Die geplant Arbeit geht so langsam voran, dass Hans und Richard verlängern wollen. Ich versuchte zwei Tage lang die Fluglinie per Telefon an verschiedenen Nummern zu erreichen, bekam aber immer nur eine Sprachbox. Konnte Rachelle mobilisieren, alle Infos per SMS senden. Es stellte sich heraus, dass wir so billige Tickets haben, dass diese nicht umbuchbar sind. Hans, wollte zwei Wochen verlängern, entschied sich mit schwerem Herzen am übernächsten Wochenende wie geplant zurück zu fliegen. Richard hat ein neues Ticket gekauft und wird bis 18.2. mit mir hier bleiben und so viel als möglich fertigstellen. Hat für 24.1. zwar Winterurlaub mit seinen Freuden fest gebucht, verzichtet aber darauf, da er mich in diesem Chaos nicht hängen lassen will.
Richard hatte ja noch ein weiteres Problem. Hier wird auch das Fleisch, wie alles andere zu schneidende Material, mit einer Machete geteilt, das ergibt dann oftmals viele kleine Splitter. Solch ein Splitter löste das Wackeln des vorderen Schneidezahnes aus. Nach zwei Tagen Versuch, den Zahn zu retten, zog er ihn sich selbst unter großen Schmerzen und schaut jetzt aus wie ein Seeräuber. Er muss also unbedingt in Deutschland zum Zahnarzt. Hat auch Angst, dass es eine Kettenreaktion geben könnte.
Auf einem Foto, sieht man den wunderbaren zerlegten Schweiß Generator von Guivens, dessen Öl die gesamte Betonplatte versaut hat. Wir fanden nun für 30 US $ am Tag ein Gerät in Maissade zu mieten und der Schweißer konnte wieder mit dem Dach, bzw. den Fenstern weitermachen. Wir haben nun ein Außen- Badezimmer geplant, mit Lego als Modell gebaut, dass es vorstellbar war.
Sind alle gespannt, ob es klappen wird. Unser Ingenieur Guivens ist seit gestern wieder da und hat in einer wirklichen 'Teufelsaktion' 306 mtr. galvanisierte lange Wasserrohre auf seinem absolut uralten Pickup transportiert. Die langen Rohre wurden mit Draht aufs Dach gebunden und noch nachts von Port au Prince zur Baustelle gefahren. Er war 7 Stunden unterwegs, da wohl die Rohre auch immer wieder vom Dach gerutscht seien. Das Problem war, dass hier alles Baumaterial für die Wasserleitung schon 'verbaut' war und wir dringendst die Rohre für die Wasserleitung benötigt haben. Leider fahren die offiziellen Lastwagen nur ein Mal in der Woche, und wenn sie schon für eine volle Ladung gebucht sind, dann muss man einfach warten, bis Ladefläche in den nächsten Wochen frei ist.
Guivens ist also nun beschäftigt, seinen seit Wochen kaputten LKW und Generator zu reparieren. Seit Tagen halfen wir in der Bohnenernte.  Morgens, wenn wir unsere Betten zusammengestellt haben, werden die Bohnen auf dem Reservat ausgelegt. Nach dem fünfTagen Sonne, werden sie geschlagen, nochmals zwei Tage getrocknet und anschließend die dann trocknen Bohnen geerntet. Wir leben fast nur von Bohnensoße, Reis oder Mais. Meistens als Beilage ein undefinierbares Gemüse. Bisher war wurden wir aber alle von irgendwelchen Infektionen verschont.  Sind nun seit dem 13.12. auf der Baustelle und haben noch keinen einzigen Tag 'nichts' gemacht. Selbst an Heiligabend, Silvester oder Neujahr arbeiteten wir immer weiter. Wir wissen meist nicht welcher Tag es ist. Es ist zwar Winter, aber für uns 'Winter Europäer' ist es echt ab 11 Uhr 'warm', speziell so um 15 Uhr sind wir oftmals richtig platt.
Jeden Morgen ist eine irre Hektik, jeder will was, benötigt was, sucht was......
Der schönste Moment ist zwischen 17 und 18 Uhr, wenn die Arbeiter gehen, etwas Ruhe ist und wir dann total kaputt uns auf der Terrasse zu einem kalten Bier treffen. Danach knobeln wir, wer als erster duscht. Die Männer kommen mit dem kalten Wasser klar, ich habe immer vom Sonnenofen warmes Wasser und bleibe bei meiner Katzenwäsche aus dem Farbeimer.
David ist seit einer Woche in Port au Prince und Jeremie mit Benson unterwegs. Alles in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wird eine Lebenserfahrung für uns sein.
Der Kindergarten ging wieder los, allerdings waren die Kinder noch nicht alle da. Morgen, Freitag gibt es Puppen, Autos sowie noch einige andere Überraschungen für die Kinder.
Mein Telefon ist total kaputt, hat diverse Stürze auf den Beton nicht ausgehalten.
Internet klappt manchmal - ist dann das Geschenk des Tages.
Das waren unsere Baustellen News
Liebe Grüße
Roswitha

Kommentare (2)

  • Volker Kolacek

    Volker Kolacek

    14 Januar 2016 um 12:25 | #

    Hallo Roswitha und alle,
    es ist für mich unglaublich, was ihr da alles leistet.
    Allergrößte Hochachtung!
    Ich hoffe auch einmal etwas derartig aufopferndes beitragen zu können.
    Haltet durch, es wird euch belohnt.
    Liebe Grüße nach Haiti
    Volker

    antworten

  • Christine Redemann

    Christine Redemann

    21 Januar 2016 um 21:49 | #

    Hallo, wie geht es Frau Weiss und den anderen? Alles in Ordnung? Ich warte so gespannt auf den nächsten Bericht.
    Grüße aus Köln
    Christine Redemann

    antworten

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.

Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Gelaendeskizze
Vor den Toren der Stadt Hinche beginnt eine von der Regierung Haitis völlig vernachlässigte Region, die auch von den meisten Hilfsorganisationen bislang unbeachtet blieb. Hier ist das Land noch ursprünglich, die Natur zwar ausgebeutet, aber nicht zersiedelt. Die Menschen, wenn auch weitestgehend unterernährt und bettelarm, so doch dankbar für jede Hilfe, die sie erhalten. Wir unterstützen dort bereits mehrere Schulen und haben eine Maniok-Mühle ausgebaut, die für die Versorgung der Schulkinder immens wichtig ist. Immer wieder sind wir begeistert von der Kreativität und Energie dieser Menschen, die nur ein Ziel zu kennen scheinen: ihre Situation zu verbessern.

Für den Anschub des Projektes und für die Realisation der einzelnen Bauabschnitte sind wir gut aufgestellt, dennoch wird uns dieses Projekt auch finanziell in den nächsten Jahren stark beanspruchen. Deshalb werden wir nach wie vor auf die Großzügigkeit unserer Spender und Sponsoren vertrauen müssen.

Ihnen möchten wir unser Projekt ans Herz legen.

mehr Infos Ich möchte das Projekt unterstützen

  • Gelaendeskizze
  • Verkaeufer
  • Gelaendeskizze