Haiti-Kinderhilfe

Reise 2017/2018 - 2. Bericht

Dienstag, 12 Dezember 2017.

Reise 2017/2018 - 2. Bericht

Typische Geschichten der Kinder in ländlichen Regionen

Sely Simeon war 2 Jahre im Kindergarten und wurde dieses Jahr eingeschult.

Er ist ein recht freundlicher, pfiffiger, lebhafter Junge. Seit letztem Jahr fehlte er immer öfters, insgesamt über 40 Tage. In den letzten 2 Schulmonaten bereits wieder 20 Fehltage und er kommt im Unterricht nicht mehr richtig mit. Zusätzlich wird er immer verschlossener, trauriger, enttäuschter. Diese Woche haben alle Kinder Test’s für das erste Zwischenzeugnis geschrieben. Sely war Montag und Dienstag abwesend. Am Mittwoch half ich ihm wenigstens einige Punkte zu erarbeiten. Aber weder lesen noch rechnen klappt auch nur einigermaßen. Am Donnerstag war er wieder abwesend. Er kam dann mit 1 ½ Stunden Verspätung. Wir ließen die Eltern holen. Die Mutter kam mit dem 2-jährigen Baby. Der Vater sei irgendwo auf dem Feld.

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Situation ist wie folgt: 

Die Eltern gingen beide nie zur Schule, Analphabeten. Die Mutter hat 7 Kinder von 2 verschiedenen Vätern. Davon sind die 2 Großen schon lange in Port-au-Prince, bei irgendwelchen Leuten untergebracht, als sogenannte Restavec, in der Hoffnung, dass sie zur Schule gehen dürfen. Der Älteste ist bereits 20 Jahre. Von den 5 Kindern hier, ist die älteste 14 Jahre. Die Mutter fährt oft in die Hauptstadt um Holzkohle zu verkaufen. An diesen Tagen sind die Kinder alleine. Sely muss dann zu Hause bleiben und auf das Baby aufpassen. Laut seiner Mutter sei er auch öfters krank. In der Kette der Familie ist er momentan das letzte Glied. Die größeren Kinder gehen hier in die Nachbarschule. Sely war in Gegenwart seiner Mutter total verschüchtert und hat sich kein Wort getraut zu sagen. Erst als wir ihm einen Lutscher versprachen, wenn er uns erklärt, warum er nicht kommt, erzählte er leise und knapp seine Geschichte. Die Mutter war dann natürlich erbost und sie musste versprechen, ihn zu Hause nicht zu schlagen. In der nächsten Woche, der letzten vor den Ferien, wird kein neuer Stoff durchgenommen und wir werden mit den Kindern spielen. Falls Sely wirklich jeden Tag kommt, wird er alleine von einer Lehrerin betreut, um in den Hauptfächern aufzuholen. Es würde uns leidtun, wenn er nicht mehr zur Schule kommen darf.

 

Djoulanda Boiyte freundlich, sehr hübsch, lustig, intelligent. Jeder mag sie gern.

Die Mutter war wieder schwanger. Der Vater ging über die grüne Grenze in die  Domikanische Republik, um eine Arbeit zu finden. Viele Haitianer aus unserer Gegend versuchen dort ihr Glück. Arbeiten dann für Hungerlöhne. Da der Vater sich nicht um seine kleine Familie hier kümmerte, reiste die Mutter mit dem Baby nach und deponierte Djoulanda weit entfernt in den Bergen bei einer Bekannten. Das Kind konnte also nicht mehr zur Schule gehen. Das typische Schicksal eines zukünftigen Restavec Kindes.

Farah suchte das Kind und man überzeugt die Mutter per Telefon, doch wenigstens Djouland bei einer Familie in der Nähe unterzubringen, die auch ein Kind in der Schule haben. Das wurde organisiert. Aber Djoulanda weinte 6 Wochen lang in der Schule aus Kummer, das die Eltern weg sind. Sie nahm fast nicht mehr am Unterricht teil. Ich war erschrocken als ich sie sah. Aus dem Püppchen ist ein mageres, trauriges Mädchen mit orangen Haaren geworden, die auf Mangelernährung hinweisen.

Einerseits haben wir ein wunderbares Projekt für die Kinder. Aber andererseits ist die familiäre Situation teilweise entsetzlich und die Kinder sind bei ihren Eltern so wertlos.

Was kam man nur machen?

 Gruß Roswitha

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