Haiti-Kinderhilfe

Dezember / Januar Haiti Reise Teil 11

Samstag, 21 Januar 2017.
Dezember / Januar Haiti Reise Teil 11

Heute am Sonntag ist es himmlisch ruhig hier, da keine Arbeiten am Bau sind.  Gestern sind wir provisorisch in unsere Zimmer eingezogen um mal wieder ein wenig Ordnung zu haben. Der Fußboden trocknet viel langsamer als erhofft und deshalb kann die Versiegelung noch nicht aufgebracht werden.

Hans und ich schlafen weiterhin draußen unter dem Sternenhimmel aber wenigstens können wir unsere Koffer endlich ausräumen. Für gestern hatten Hans und ich uns vorgenommen, in der Schule von Billiguy verschiedene Reparaturen und Arbeiten auszuführen. Mit Generator - dort gibt es keinerlei Strom oder Wasser, verschiedenen Werkzeugen und Material ausgerüstet fuhren wir am frühen Vormittag los. Eli, ein Lehrer des Billiguy Teams begleitete uns um mitzuhelfen und vor allem um den Weg zu zeigen. Für die etwa 11 km lange Strecke braucht man mit dem Auto eine gute Dreiviertelstunde. Die Lehrer, die fast alle in Maissade wohnen, gehen diese Strecke täglich zu Fuß zur Schule und zurück. Die Straße war relativ gut zu fahren, da wohl vor einigen Tagen eine Baumaschine die schlimmsten Löcher eingeebnet hatte.

20170120 2Die verschiedenen Flussdurchquerungen brachten auch keine Probleme, sodass wir zügig in Billiguy ankamen. Unterwegs besuchten wir einen Schüler der Schule und überbrachten von den Pateneltern aus Deutschland ein Geschenk. In Billiguy warteten bereits die anderen Kinder, die ein Geschenk aus Deutschland erhalten sollten. Es hat sich natürlich auch schnell herumgesprochen, dass die „Blancs“ da sind und es kamen viele Kinder, für die wir aber leider keine Geschenke hatten. Enttäuschung bei den einen und Freude bei den anderen.
Wir konnten mit Hilfe von Eli und Luc, dem in der Nachbarschaft wohnenden Lehrer, die Tafeln montieren und einige Regale reparieren, leider fehlten trotz einer Unmenge von mitgenommenem Material und Werkzeug dann doch die richtigen Schrauben zum Zusammenbau der seit ewigen Zeiten in den Klassenräumen liegenden unfertigen Regalen. Nun müssen wir nächstes Wochenende noch einmal den Weg auf uns nehmen.

Am späten Nachmittag waren wir wieder in Bangage. Zusammen mit Roswitha und mir hatte Farah am Abend noch eine Zusammenkunft mit einem Lehrer aus Maissade, der verschiedene Fortbildungen für Lehrer und Pädagogen anbietet. Wir möchten unseren Mitarbeitern, den Lehrern der beiden Nachbarschulen und den Lehrern aus Billiguy einmal im Monat eine Fortbildung ermöglichen. Diverse, thematisch vorher von den Lehrern festgelegte Fortbildungen werden von einzelnen Lehrern selber anhand der in Frankreich gekauften Literatur vorbereitet und auch abgehalten. Andere Fortbildungen werden von Farah abgehalten oder von unserem ehemaligen Patenkind Benson aus PaP, der sich intensiv mit Pädagogik beschäftigt und von allen Teilnehmern gelobt wird für seine guten Seminare. Ich hoffe sehr, dass sich diese Art der Wissensvermittlung weiter entwickelt und dadurch eine Nachhaltigkeit entsteht.

20170120 3Die beiden Nachbarschulen werden von Haiti-Kinderhilfe e.V. mit einem finanziellen Beitrag unterstützt. Billiguy wird durch das Patenschafts-Programm von Haiti-Kinderhilfe e.V. unterstützt und erhält alle Lehrergehälter. Ich denke, dass alle profitieren von dieser neuen Art nachbarschaftlichen Zusammenhalts. Die Lehrer sind sehr froh darüber, was man bei allen Gesprächen und Zusammenkünften spürt. Fühlen sie sich doch alle von ihrem Staat weitestgehend im allein gelassen. Manchmal erscheint es mir jedoch auch ein wenig viel, dass Roswitha immer wieder als Ratgeberin zur Verfügung stehen soll. Zuletzt hatten die Lehrer in Billiguy das Problem, dass der dortige Direktor die Schülerzahl so sehr erhöhte, dass es selbst den Lehrern zuviel wurde. Wir pochten auf die Einhaltung des Vertrags, welcher ein Limit von 34 Schülern vorsieht. Die Lehrer wurden angehalten Lösungsvorschläge zu finden. Um den Druck zu erhöhen teilten wir dann auch gleich mit, dass wir uns nicht mehr an den Vertrag gebunden fühlen, sollte der Missstand nicht abgestellt werden.

In der letzten Wochs schlug nun der Direktor selber vor, sich von allen seinen Aufgabengebieten zurück zu ziehen und verschiedenen Kommissionen die Aufgaben zu übertragen. Da der Direktor keine Klasse unterrichtet sondern nur administrative Arbeiten übernimmt, stand er plötzlich ohne Aufgabe da. Wir erklärten deshalb auch, dass wir nicht bereit sind für ihn weiterhin Gehalt zu zahlen, wenn er nicht eine Klasse übernimmt. Zwei Lehrer der Kommission „Administrative Aufgaben“ teilen sich nun diese Aufgaben und eine Klasse, der ehemalige Direktor übernimmt eine andere Klasse. Die beiden „Teilzeit-Lehrer“ sind auch als „Springer“ für die anderen Klassen tätig, wenn deren Lehrer Kommissions-Aufgaben wie Kassenführung, Finanzwesen, Prüfungsvorbereitungen usw. übernehmen müssen. Die Schule wird nun in demokratischer Weise geführt. Monatliche Zusammenkünfte der gleichberechtigten Lehrer sollen helfen die Schule zu leiten, das Budget zu planen, die Schulgeldzahlungen sicherzustellen, die Elternmitarbeit zu kontrollieren und die Klassenstärke zu begrenzen. Wir werden sehen, ob und wie die Demokratie-Bemühungen Früchte tragen.

 

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