Haiti-Kinderhilfe

Dezember / Januar Haiti Reise Teil 10

Donnerstag, 19 Januar 2017.
Dezember / Januar Haiti Reise Teil 10

Am Montag 9. Januar 2017 waren die Ferien vorbei und der Kindergarten sollte wieder beginnen. Sonntagabend bereits kündigte sich eine Wetterveränderung an durch starken Wind und Gewittergrollen in der Ferne. Es begann dann auch zu regnen und unser Freiluft-Schlafzimmer war auf Roswitha und Richards Seite dem Regen ausgesetzt. Abgedeckt mit Plastikplanen konnte wenigstens das Bett trocken gehalten werden. 

Farah kam am Abend gut gelaunt aus den Ferien in PaP zurück aufs Plateau. Bis heute immer wieder Regengüsse und auch keine Besserung in Sicht. Bei Regen steht praktisch das Leben in Haiti still. Von 90 Kindern kam am Montag keines, ebenso wenig die Lehrer, da angeblich die Straße viel zu glitschig sei. Im Laufe der Woche wurde es dann besser und täglich kamen mehr Kinder in den Kindergarten. Hier in der Region haben etliche Familien beim Erdbeben im Januar 2010 Angehörige verloren und gedachten in dieser Woche den vielen Toten.

20170115 6Die Bauarbeiter waren fleißig am Buddeln, obwohl die Erde schwer und klebrig ist wenn es regnet. Wir trauten uns am Donnerstag nach Hinche um Einkäufe zu erledigen. Gas, Elektromaterial, Holz und Eisen, Lebensmittel und für Richard Zigarren. Alles zu finden und dann noch Preisverhandlungen über das endlich Gefundene zu führen, dauert eine enorme Zeit. Nach mehreren Läden und nervenaufreibenden Verhandlungen hatten wir wenigstens unsere nötigsten Sachen. In den „Baumärkten“ geht der Einkauf sehr langsam vor sich. Zuerst geht man zur Theke, wo man erklärt, was man eigentlich möchte, kontrolliert ob es das Richtige ist (manchmal auch indem man selber im Lager danach sucht), wenn dann klar ist, dass die Ware passt, geht man zu einem sogenannten „Guichet“.  

Dort sitzen vier Leute (wahrscheinlich kontrolliert jeder jeden) und nehmen die Bestellung entgegen, fragen an der Theke nach, ob die Ware vorrätig ist, schreiben den Lieferschein. Mit dem Lieferschein geht man anschließend wieder an die Theke, dort wird geprüft ob die gewünschte Menge vorrätig ist und die nicht vorrätigen Sachen durchgestrichen, die teils vorrätigen in der Menge berichtigt usw. Mit diesem berichtigten Lieferschein geht es dann wieder zum Guichet, wo nun die Rechnung geschrieben  und das Geld kassiert wird. Mit der bezahlten Rechnung dann wieder zur Theke, wo jetzt endlich die Ware im Lager zusammen gesucht und in Kartons verpackt wird.

20170115 1Der Kunde tut gut daran alles noch einmal selber zu kontrollieren, denn dieses Mal sollten wir statt der bestellten Steckdosen mit Rahmen nur Rahmen bekommen. Glücklicherweise hatten wir es aber bemerkt.  Die Fahrt nach Hinche dauert auf miserabelster Piste mit fünf Flussdurchquerungen über eine Std. für die Distanz von etwa 20 km. Kein wirklicher Spaß….. Leider muss Richard weiterhin seine vorhandenen Zigarren stark rationieren, denn dieser Artikel scheint nicht auffindbar. Hinche ist eine mittelgroße Department-Hauptstadt mit etwa 40.000 Einwohnern.

Hans ist derzeit dabei, die Elektroinstallation des ersten Stockwerkes im Verwaltungsgebäude, wo Büros und ein Lager für Vorräte entstehen, zu vervollständigen. Dabei behilft er sich zum Kunststoffrohre biegen, indem er den Sonnenofen nutzt.

20170115 5Richard organisiert schon seit Tagen mit Akribie die weitere Verlegung der Wasserrohre. Da wir auch auf dem Schulgelände Wasser und Strom brauchen, ist das derzeit die Hauptarbeit. Viele Meter Wasserleitungen und Stromzuleitungen werden in der Erde vergraben. Viele Bewohner des Dorfes finden bei unserem Projekt Taglohn-Arbeit während der Bauarbeiten. Kaum einer der Dorfbewohner hat eine geregelte Arbeit. Die Leute sind froh und dankbar, dass sie hier Bargeld verdienen können und dabei noch einiges lernen, wie Gewindeschneiden oder Einbau von Fensterläden. Ist die haitianische Mentalität doch eher so, dass man auf keinen Fall „Berufs-Geheimnisse“ preisgibt, man könnte ja ersetzbar werden. Dadurch geht aber auch viel Wissen verloren, da es einfach nicht weiter gegeben wird.

Im Bereich Landwirtschaft konnten wir schon einige Bohnenernten einbringen. Bananen und Mangos mussten wir ebenfalls nicht kaufen, sondern konnten uns von den geernteten Früchten ernähren. Am Wochenende ernteten die Eltern, die ihren Engagement-Tag absolvierten, den reifen Maniok, der ab morgen für die Schulspeisung verwendet wird.

20170115 4Leider haben einige unserer Hühner sich mit einem Virus infiziert und sterben nach und nach. Da sie die Freiheit gewohnt sind, ist es schwer alle einzufangen um sie zu impfen. Nur ein Teil konnte geimpft werden und muss nun für eine gewisse Zeit strikt im Hühnerstall bleiben. Wir hoffen sehr, dass sich der Bestand nicht noch weiter verringert. Kühen und Schweinen geht es gut. Das große Schwein konnten wir für gutes Geld auf dem Markt verkaufen lassen. Die drei neu angeschafften Ferkel sind zutraulich und kommen freudig angerannt, wenn sich jemand dem Tor nähert. Die Kälber sind sehr schüchtern und nähern sich nur zögernd.

Ansonsten ist es tagsüber heiß und in der Nacht kalt- teils nur 9-10 °C. Internet funktioniert so gut wie nicht. Reine Glückssache mal ein günstiges Zeitfenster zum Senden der emails zu haben.

Viele Grüße

Conny

 

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