Haiti-Kinderhilfe

Dezember Haiti Reise Teil 6

Donnerstag, 22 Dezember 2016.
Dezember Haiti Reise Teil 6

Gesundheitszustand der Kinder – Abreise Yves Marie

Am Montag erhalten wir die Laboruntersuchungen der Kinder. Yves Marie, bietet uns an, dass sie am Montagnachmittag, nach Ihrem letzten Arbeitstag in PaP, noch mit dem letzten Bus ins Plateau Central versuchen wird, zu kommen und die Laboruntersuchungen auswertet, dann einen Behandlungsplan für die betroffenen Kinder erstellen wird. Sie kommt bei Dunkelheit in Hinche an und findet auch noch einen Motorrad Taxi Fahrer der sie die fast 20 km Offroad zu uns fahren wird. Es klappt und wir sind froh, dass nichts passiert ist.
Bis Mitternacht und wieder ab 4 Uhr morgens besprechen wir die 100 Auswertungen und nochmals all die Notizen, die wir alle in den Akten der Kinder festhalten müssen.

Marie Yves muss spätestens um 7.30 Uhr aufbrechen, denn sie reist noch am gleichen Tag um 17 Uhr nach Venezuela zurück, wo sie ihre Ausbildung absolvierte. Die Fahrt von uns bis zu ihr dauert mindestens 5 Stunden, aber ihr Koffer sei schon gepackt, sie müsste nur noch zum Flughafen.

Sie ist ein verrücktes ‚Huhn‘, man kann auch sagen ein Power Paket. Ihr erging es hier wie so vielen jungen Erwachsenen die ihr Land lieben und was aufbauen wollen, aber dann irgendwann feststellen, dass sie nicht weiterkommen und wenn die Möglichkeit besteht, das Land verlassen und wo anders ihre Chance suchen.
Yves Marie, ein ehemaliges Patenkind, auch engagiert als junge Studentin in unserem Patenschaftskomite, gewann in einem Wettbewerb, organisiert von der venezolanischen Regierung in Haiti, ein Stipendium für Medizin in Venezuela.

20161222 2Sie fing schon früh in Haiti an Spanisch zu lernen und hatte eine gute Basis, aber sicherlich nicht gut genug um damit leicht zu studieren. Sie kämpfte für ihren Traum und schloss als Drittbeste Ihr Studium ab.
Sie wollte unbedingt zurück nach Haiti und hier ein Anerkennungsjahr machen. Meldete sich direkt im zuständigen Ministerium, fragte immer wieder nach und auf haitianischer Seite gab es einfach kein Weiterkommen. Da sie hier einen kranken Vater hat und sich um den Sohn ihrer Schwester, die im Erdbeben umkam, kümmert, versuchte sie überall Jobs zu bekommen, war auch ‚heiß‘ endlich zu arbeiten. Half in verschiedenen mobilen Kliniken in Slums, aber auch im Universitätskrankenhaus von Port-au-Prince. Dort seien aber die Missstände am schlimmsten gewesen, keine Einweghandschuhe für Ärzte, kein Material und die Verantwortlichen wissen immer angeblich von Nichts.

Sie war nun 1 ½ Jahr in Haiti, ihre Akte liegt noch immer, wegen des Anerkennungsjahres bei den Behörden…….
Als sie nach Ihrem Abschluss nach Haiti flog, brachte ihr Freund aus dem gleichen Jahrgang, ebenfalls höchstbegabt, der sich nun als Chirurg spezialisieren will und irgendwann wieder in seine Heimat Honduras gehen will, zum Flughafen. Wohl beide dramatisch weinend sank er, bevor sie ans Gate ging auf die Knie und überreichte Ihr einen Verlobungsring – wie in Filmen!!!

Ihr privates Glück ging im Sommer fast in die Brüche, waren nun 1 ½ Jahre getrennt.
Sie verlässt nun Haiti wieder und wird in Venezuela ihr Anerkennungsjahr machen und von dort aus versuchen sich als Kinderärztin zu spezialisieren. Und sie wird versuchen ihr privates Glück zu reparieren.

Am Dienstagnachmittag rief sie uns noch aus dem Flieger an, dass alles geklappt hat, auch hörten wir inzwischen, dass sie gut angekommen ist.


Ja, es tut weh, wenn man sieht wie viel menschliches Kapital in Haiti verloren geht, wie viele bereit sind, sich einzubringen und was zu verbessern. Ich kann ihre Entscheidung verstehen. Wir Haiti-Kinderhilfe werden immer ihre Familie bleiben und sie ist eine von unseren Töchtern.

Als wir die Laboruntersuchungen bekamen, blätterten wir diese nur ganz schnell durch, da wir ja wirklich Angst hatten, wie verhalten wir uns, wenn ein Kind HIV-positiv ist. Wir haben nur ein Kind mit Verdacht, was ja unlogisch ist, werden hier nochmals später eine Untersuchung machen. Wie weit die Analysen wirklich richtig sind, können wir natürlich auch nicht beurteilen, da der Befund mit Hand geschrieben ist. Farah führte einen Freudentanz auf. Alle anderen Krankheiten sollten wir in den Griff bekommen.

80 % der Kinder haben Anämie, 42 Kinder haben Hautkrankheiten, 6 Mädchen Infektion – Ausfluss, 25 Kinder haben sehr schlechte Blutwerte, entweder aktuelle Infektionen und eventuell auch Sichel Zell Anämie, manche haben abends Fieber – eventuell Malaria, oder Duenge Fieber. 50 % verfaulte Zähne.

20161222 3Wir besprachen mit den Eltern individuell den ganzen Mittwoch, die Untersuchungswerte, versuchten sie zu überzeugen, dass sie den Kindern Gemüse und nicht nur einen gekauften Keks geben sollen, auch nicht zuckersüße Säfte. Wir werden hier in der Schule nach Beginn der Weihnachtsferien anfangen, allen Kindern Vitamin Tropfen zu geben. Ab Montag werden die Kinder 2 x die Woche in unserer Schule mit der speziellen medizinischen Seife und Shampoo gewaschen und die betroffenen Stellen eingecremt. Wir haben hier am Projekt kein Wasserproblem und wollen auch sicher sein, dass es richtig angewendet wird.
Alle anderen Medikamente erhalten die Familien am Montag.

Vier Kinder haben Augenprobleme und zwei Kinder hören fast nichts. Hier wird Farah gemeinsam mit den Eltern und Kindern nach Mirbalais fahren. Ist ca. 2 Stunden von uns entfernt und wir hoffen, dass wir dort Spezialisten finden. Danach wird man sehen, ob wir Brillen oder Hörgeräte benötigen, oder es was ganz anderes ist. Machen wir aber erst im Januar.

Alle Eltern sind extrem dankbar, dass wir Ihnen helfen. Wir haben aber auch klar vermittelt, dass dies eine Sonderaktion war. Unser Engagement ist im Moment die Bildung. Allerdings ist unser Traum für das Projekt, bzw. die Region wenigstens eine kleine Krankenstation, mit ambulanter Behandlung zu bekommen.
Viele Grüße
Roswitha

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