Haiti-Kinderhilfe

Dezember Haiti Reise Teil 5

Dienstag, 20 Dezember 2016.
Dezember Haiti Reise Teil 5

Probleme Billiguy Schule

Es waren in den letzten Tagen immer wieder der Direktor Luc und 2.Direktor Eli da, Eli nochmals genauso oft alleine. Wir hatten immer wieder die gleichen Diskussionen.

Luc, der ja auch der Pastor der Region ist und in der Schule 1 x wöchentlich Kirche macht, erklärte mir immer wieder, dass er es als seine christliche Pflicht sah, die Kinder aufzunehmen. Eli, der sich damit entschuldigt, dass man warten wollte, bis HKH das entscheiden wird. Er hätte die Situation Guerino erklärt und der meinte entweder an HKH einen Brief senden, bzw. wir würden ja an Weihnachten kommen. Eli, der auch erklärt, dass Luc einfach entscheidet und sie nicht eingebunden sind. Es gebe keine Infos zu den Ein- und Ausgaben. Es werden ihnen einfach die Kinder in die Klasse gesetzt.

Meine Gegenargumente waren die Einhaltung unseres Vertrags, ebenso die Verantwortung für die Kinder, sowie auch deren Eltern und auch unseren Paten. Alle diese würden ja davon ausgehen, dass die Kinder wirklich eine Chance auf ein besseres Leben haben. Was ja nicht stimmt, wenn die Klassenstärke auf fast 40 Kinder erhöht wird.

Ich erkläre Luc + Eli, dass HKH persönlich nicht mit Ihnen böse ist, sondern wir uns nicht an den Vertrag gebunden fühlen, das Ganze auch nicht mehr unsere Philosophie ist, wir also aus dem Projekt aussteigen, außer sie bieten uns akzeptable Lösungen an, die sie aber unter sich finden müssen.

Gestern kamen nun alle Lehrer einschließlich Luc. Nach nochmaligen langen Erklärungen ist ihr Vorschlag:

  • Es ist ein Komitee gebildet worden, welches die Aufnahme der Kinder kontrolliert. Es sind die Kindergärtnerin und der Lehrer aus der 2. Schulklasse mit Luc.
  • Es ist ein Komitee gebildet worden, welches die Kasse führt und die Einnahmen und Ausgaben überprüft.
  • Eli kümmert sich um die ganze Verwaltung, die Dokumente für HKH, aber auch die ganzen Unterlagen, Prüfungsergebnisse usw, die man für das Kultusministerium 3 x im Jahr erfassen muss.
  • Nachdem sie die Kinder im laufenden Schuljahr nicht entlassen wollen, würden sie in 2 Schichten arbeiten. Ein Teil morgens, ein Teil Nachmittag.
  • Zum Abschluss Schuljahr 2016/17 würden sie die zu vielen Kinder an andere Schulen weiterempfehlen.

Die Klassenstärke 2017/2018 wäre also reduziert und wieder der normale Schulbetrieb.

Luc bot an, um das Projekt zu retten, würde er auch alle Verantwortung abgeben, aber einfach das es weitergeht. Er erklärte auch noch wie schwierig es für ihn ist, da er genau neben der Schule wohnt und der Pastor ist, dass einfach alle kommen und auf ihn Druck machen.

Zu seiner Entschuldigung muss man vielleicht auch noch folgende Situation kennen. Der letzte Präsident Martelly hat bei Beginn seiner Amtszeit ein Projekt gestartet, mit dem Slogan, dass 100.000 Kinder der Schulbesuch ermöglicht werden soll. Er hatte wirklich nur Widerstand in seinen Reihen. Um es dann zu finanzieren ließ er alle Lohnlisten der öffentlichen Stellen auf sogenannte ‚Leichen‘ untersuchen und bereinigte die Ausgaben. Der Staat ist ja der größte Arbeitgeber. Mit dem Geld starte er nun in den ganzen armen Regionen, dass die dort bestehenden Schulen Kinder aufnehmen müssen und dafür auch das Schulgeld über die dortigen Bürgermeisterämter bekommen. Er konnte aber seine Kampagne nie von der Regierung als Gesetz absegnen lassen, sondern war nur eine Verfügung von ihm.

Hört sich ja schon gut an. Das erste Problem war, dass er also überall die Eltern motivierte, Zusagen über das anfallende Schulgeld gab, aber weder Lehrer, noch Schulen, oder Schulmöbel zur Verfügung standen. Ich weiß noch, als ich vor einigen Jahren in der von uns betreuten Schule in San Marc war, gab es dort auf einmal 3 erste Klassen, also 2 mehr als normal. Nun alles dichtgedrängt. Der Direktor war natürlich einerseits froh, dass er für diese extra 60 Kinder noch Geld bekam.

Jetzt nach Ende der Amtszeit von Martelly, gibt es schon seit einem Jahr keine Unterstützung mehr für diese Kinder. Als ich im Frühjahr hier war, gab es dieses Problem ganz aktuell. Die Schulen hatten entweder mehr Klassen, bekamen nun kein Schulgeld mehr um die Lehrer zu bezahlen, die Eltern hatten auch nichts, denn man schulte ja gerade die ärmsten Kinder ein.

Manche schnell gestarteten Schulen auf dem Land, meist nur irgendwo ein Zelt, oder unter freiem Himmel, gab es gar keine Einnahmen mehr. Auch in der Region von Billiguy sind nun diese Kinder, die einige Jahre Schulunterricht hatten, wieder ohne. Sprich, der Druck auf Luc war sicherlich da, dass er nicht nein sagen konnte und nun die Klassen aus allen Nähten platzen.

Wir werden überlegen, wie wir den Kindern und Lehrern zur Seite stehen können. Es müssen von Ihnen auch noch akzeptable Vorschläge kommen. Das Problem werden wir auf jeden Fall in den nächsten Tagen lösen müssen.

Roswitha Weiss

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