Haiti-Kinderhilfe

Dezember Haiti Reise Teil 4

Donnerstag, 15 Dezember 2016.
Dezember Haiti Reise Teil 4

Nächster Tag der Untersuchungen – Blutabnahme – Anna muss zurückfliegen
Es ist der 2. Tag unserer Reihenuntersuchung. Das Team um Yves Marie (wiegen, messen, Puls, genaue Untersuchungen) ist sehr gut eingespielt. Alle Kinder mussten für die Wurmkur nüchtern kommen. Farah und ich sorgen dafür, dass alle Kinder das Medikament trinken. Sie bekommen direkt danach ihr Schulfrühstück.

erst die Wurmkurs dann das Frhstck 2Die größeren Kinder der 2. und 3. Klasse lassen wir die Fläschchen selbst austrinken. Läuft alles wunderbar. ABER….es war mit dem Krankenhaus in Hinche ausgemacht, dass die zwei Laborantinnen zwischen 7 und 8 Uhr da sein werden. Die meisten Eltern warteten schon seit 7 Uhr. Nach vielen Telefonaten endlich kamen die Labordamen nach 10 Uhr an und sie begannen sofort damit, den Kindern Blut abzunehmen.

Jeder Pavillon war für einen anderen Bereich umfunktioniert worden. Wir kontrollierten vorher die Einwegspritzen, Gummihandschuhe usw. Für alle Kinder war es das erste Mal, dass sie eine Ärztin zu Gesicht bekamen und viele wehrten sich, es flossen dicke Tränen. Manche Kinder waren aber ganz tapfer. Ich würde sagen, meistens weinten und kämpften die Buben. Auch eine Lehrerin weinte und schluchzte ganz laut.

Nach der Blutabnahme mussten alle ein Präparat mit Eisen und Mineralien trinken und bekamen zur Belohnung ein Bonbon…. Obwohl ja dieser Teil für die Kinder frustrierend war, sangen sie noch ein Dankeslied mit den Eltern für Yves Marie und das ganze Personal. In den zwei Tagen haben weder Eltern noch Kinder gejammert, weil es so lange gedauert hat, alle warteten geduldig und freundlich. Die Eltern waren sehr dankbar für diese von Haiti-Kinderhilfe finanzierte Gesundheits- und Hygiene-Aktion, kann sich doch kaum einer einen Arztbesuch leisten.

Annas Gesundheitszustand verschlimmerte sich, es wurde entschieden, dass sie so schnell als möglich nach Deutschland zurück fliegen muss. Wir planten die Abreise noch am gleichen Tag und organisierten alles in Port-au-Prince für die Rückreise. Guerino und Elisa werden mit ihr in die Hauptstadt fahren. Wir werden nochmals in Hinche versuchen Elektrolyte zu bekommen, damit sie den Heimflug schafft.

Die zwei Laborantinnen sind mit Ihrer Ausstattung mit einem Motorradtaxi gekommen. Beide Damen jede über 100 kg, plus der Fahrer und dann noch mit „unserem Blut“ 16 km Offroad…. Wir bieten ihnen an, sie könnten mit uns nach Hinche fahren, allerdings auf der Ladefläche. Starten sehr spät, suchen noch verzweifelt in Hinche in vier sogenannten Pharmacien nach Eletrolyten, finden nichts – endlich dann doch noch zwei, bereits fertig gemischte Präparate in Flaschen für Babys. Anna verspricht sie zu trinken. Es ist schon 17 Uhr. Die drei jungen Leute schaffen gerade noch den letzten Bus nach Port-au-Prince. Es wird schon wieder dunkel. Ich schimpfe mit mir selber, dass ich so leichtsinnig bin, als weiße Frau alleine nun eine Stunde Hoppel-Piste zurückzufahren. Hoffentlich habe ich keinen Platten.

Am letzten Fluss, vor dem Ort Maissade, bei Dunkelheit Straßensperre -Polizei. Führerschein, Autopapiere – das Auto ist noch auf BND zugelassen und im Ort bekannt, dass BND mit der Frauenföderation die Schulspeisung macht. Klappt alles, freue mich, wieder gut angekommen zu sein in Banguage.
Hier große Diskussionen – was machen wir, wenn wir Kinder mit HIV haben??? Wie sollen wir damit umgehen? Wir werden mal bis Montag die Resultate abwarten und dann weitersehen….

2Eltern wartenAm Freitag werden nur noch die Lehrer von Yves Marie untersucht, und die Kinder verstecken sich, als Yves Marie nochmals in den Kindergarten kommt. Danach sortieren und beschriften wir alle Medikamente, besprechen nochmals ganz ausführlich alles mit Yves Marie.

Mittags großer Aufbruch, Yves Marie nach Hause, Farah ins Wochenende, sie hatte auch Ihre Mutter Marie eingeladen. Marie war unsere Köchin und gute Seele gewesen und wollte unbedingt Elisa aus Deutschland sehen, die sie als kleines Baby kannte. Gleichzeitig übernehmen wir in Hinche wieder Guerino und Elisa, die Anna gut auf den Weg nach Deutschland gebracht haben. Es waren intensive, aber gute Tage.

Samstag und Sonntag wandern Elisa und ich morgens in unserer Gegend, und wir treffen Kinder aus unserem Projekt. Es ist ergreifend zu sehen, wie sie bettelarm in den Hütten leben, aber alle sind freundlich, laden uns ein, wir dürfen uns alles ansehen. Fange mit Guerino die Buchhaltung an und alle benötigten Handwerker sind einbestellt, da wir am Montag die Baustelle wieder eröffnen. Der Schulhaus-Bau wird dann beginnen.

In Deutschland ist 3. Advent und für uns so unvorstellbar weit weg. Wie jeden Abend teilen wir uns den Topf warmen Wassers, das wir mit einem Solarkocher erhitzen. Waschen uns wieder wie letzten Winter in einem alten Plastik Farbeimer mit maximal 5 Liter. Jeder bekommt rationiert eine Flasche kaltes Bier, denn auch dies muss von weither transportiert werden. Aber wir sind alle „gut drauf“.

Liebe Grüße
Roswitha

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