Haiti-Kinderhilfe

Dezember Haiti Reise Teil 3

Mittwoch, 14 Dezember 2016.
Dezember Haiti Reise Teil 3

Medizinische Untersuchung – Elterngespräche – Augentest organisieren
Am Mittwoch beginnt nun die große Untersuchung aller Kinder unseres Kindergartens.
Zuallererst spricht Yves Marie zu den Eltern. Sie versucht Ihnen die Wichtigkeit des Händewaschens zu erklären. Generell sollte mehr auf Reinlichkeit geachtet werden. Marie Yves geht davon aus, dass die Hautkrankheiten der Kinder hier die Ursache haben. Natürlich ist es allen klar, aber sehr schwierig umzusetzen, da die Leute das Wasser von weit her holen müssen und meist nur als Trinkwasser verwenden.

Auch ein großes Problem ist, dass extrem viele Kinder Karies haben, teilweise nur noch Zahnstummel vorhanden sind. Zuhause wohl keine Zähne putzen und auch viel zu viel Zucker verzehren. (Zur Beruhigung und zum Hungerstillen wird den Kindern oft ein kleines Stück von Zuckerrohr gegeben, worauf sie dann stundenlang rumkauen. In Verbindung mit mangelnder Zahnhygiene hat das schlimme Folgen).
Die Lehrer, die Eltern und die Kinder sind noch alle wie ‚aufgescheuchte Hummeln‘ – das wird aber im Laufe des Tages besser werden. Heute werden die ganz kleinen und die Hälfte der großen Kinder untersucht. Alle anderen dürfen nach Hause gehen.

DSCN8582Madame Colas (die für Ihr Projekt „Aufnahme von ca. 20 Restavec-Kindern“ -den sogenannten Kindersklaven, von ‚Eltern für Kinder‘ zwei Kinderhäuser finanziert bekommt) ist gelernte Krankenschwester und hilft mit. Sie erfasst alle Kinder, wiegen und messen, auch wird der Puls gemessen. Zum Messen hat uns Richard einen Zollstock an die Schultafel geschraubt. Den Puls misst das von Haiti-Kinderhilfe für Yves Marie gespendete neue Gerät. Der Finger kommt in eine kleine Metallklammer und das Gerät vermittelt laut den Pulsschlag. Die Eltern und Kinder sind ganz aufgeregt, was das wohl für ein Geräusch ist und sicherlich haben viele Kinder extrem hohen Puls, einfach auch aus Angst.

Danach wird jedes Kind, immer im Beisein der Eltern von Yves Marie genau untersucht.
Viele sind erkältet, ca. 20 % der Kinder haben schlimme Hauterkrankungen, wie am ganzen Körper Furunkeln, wohl zwei verschiedene Arten von Infektionen. Einige Mädchen, die erst zwischen 3 und 5 Jahre alt sind, haben Ausfluss. Bei einigen Kindern besteht Verdacht auf Sichelzellen-Anämie, für weiteres Vorgehen müssen erst die Bluttests abgewartet werden. Das Positive ist, keines der Kinder ist unternährt, das Gewicht recht gut. Unsere Schulspeisung, die wir von einem lokalen Hilfsprojekt beziehen, hat hier wohl schon geholfen. Für 20.000 Kinder in der Region wurde die Zusammensetzung dieser Schulspeisung von einer Hilfsorganisation geplant. Es wird auf hohen Kalorien- und Nährwertanteil geachtet, auf möglichst wenig leere Kalorien. Und die Lebensmittel werden alle vor Ort angebaut. Also mehrfach nachhaltig.

Was nicht wirklich gut klappt ist der geplante Seh- und Hörtest.
DSC00081Anna und Elisa (die beiden deutschen Studentinnen) malen verschiedene Plakate. Es soll damit Farbenblindheit, bzw. Sehschwäche festgestellt werden. Eine Lehrerin soll die Tests mit den
Kindern durchführen. Bei den 3-Jährigen der ersten Gruppe geht es gar nicht, sie kennen weder die Farben, noch können sie erklären was „Groß und Klein“ ist.
Bei den größeren funktioniert es etwas besser. Wir vermuten, dass vier der Kinder eine Sehschwäche haben. Der Hörtest wird gar nicht durchgeführt. Yves Marie schaut zwar in die Ohren
und hinterfragt alle Eltern. Wir bekommen bestätigt, dass ein Kind fast taub ist. Farah ist dies bereits mehrfach aufgefallen, da das Kind nur reagiert, wenn man es berührt und wenn es von vorne angesprochen wird.
Wir werden nach Lösungen für die betroffenen Kinder suchen, allerdings wird das nicht einfach. Im nächsten Ort dem 4 km entfernten Maissade, gibt es ein Minikrankenhaus. Dort kann jedoch nicht einmal ein großes Blutbild erstellt werden. In Hinche, 1 Stunde Piste von uns, gibt es zwar ein riesiges staatliches Krankenhaus mit Apotheke. Aber sehr schlecht ausgestattet. Als wir einen Fahrer dorthin schickten um für die kranke Studentin Anna ein Elektrolyte-Produkt zu kaufen, gab es dort keinerlei Vorräte, obwohl das ein Basisartikel bei Durchfall-Erkrankungen sein sollte.
Yves Marie arbeitete bis fast 16 Uhr und es wurden wirklich alle 50 Kinder aufs Gründlichste untersucht.
Keines der Kinder oder Eltern beklagte sich auch nur ein bisschen, dass sie fast den ganzen Tag warten mussten.
Bin gespannt was morgen sein wird.
Ciao
Roswitha

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.