Haiti-Kinderhilfe

Dezember Haiti Reise Teil 2

Sonntag, 11 Dezember 2016.
Dezember Haiti Reise Teil 2

Nachbarschulen – Billiguy – Ankunft Ärztin Yves Marie, Anna, Elisa und Marie

Unsere 2. Woche beginnt sehr entspannt. Ich lerne die neuen Lehrerinnen kennen, die neue Kindergartengruppe, die eine grüne Uniform haben.
Die Eltern dürfen die Kinder ab 7 Uhr bringen und es ist bis 8 Uhr freies Spielen.

Dann stehen die Kinder ‚stramm‘, es wird die Nationalfahne hochgezogen und alle singen gemeinsam die Nationalhymne. Dieser Moment ist so heilig, dass wir auch nicht mit dem Auto vorbeifahren dürften, oder irgendwas machen.
Ich erinnere mich, dass früher, also vor 30 Jahren, als noch wenig Verkehr war, alle Autos um 8 Uhr stehen blieben, die Insassen ausstiegen und erst nach einigen Minuten weiterfuhren.
Nach der Nationalhymne wird gebetet und anschließend unter den Bäumen im Schatten der Stuhlkreis gebildet. Es wird jeden Tag ein anderes Thema besprochen. Geht alles ganz spielerisch. Am Montag wurde die ‚heilige Familie mit dem Jesuskind im Stall‘ besprochen. Ist ja schon alles sehr abstrakt für ein Kind mit 3 Jahren. Relativ zum Schluss der Runde wird dann gefragt ‚was siehst Du auf dem Bild?‘.
Bei einer falschen Antwort, singen dann die anderen Kinder.
Ich meldete mich auch, wurde aufgerufen und behauptete, dass ich einen LKW vor der Krippe sehe. Die Kinder hatten nun einen Mords Spaß recht laut und oft zu singen ‚Madame Weiss ist ein Baby, Madame Weiss ist ein Baby‘.
Es geht also recht lustig zu.
Farah und Yves Marie sortieren die MedikamenteAm Nachmittag kamen die beiden Direktoren der Nachbarschulen um Ihre von uns gesponserten Schulbücher abzuholen. Wir hatten diese direkt am ersten Tag in Port-au-Prince in der Druckerei gekauft, da sie dort etwas billiger sind und wir auch den Transport organisieren konnten.
Eigentlich hofften beide Schulen schon letztes Jahr einen kompletten Satz Schulbücher für Ihre Kinder kaufen zu können. Wir helfen beiden Schulen mit einer für sie frei verfügbaren Summe. Sie kauften dann nur die Hälfte der Bücher, zahlten dafür die seit Monaten ausstehenden Lehrergehälter und eine Schule baute auch eine Toilette.
Sodass sie also letztes Schuljahr einen Teil der Bücher bekamen und dieses Jahr den Rest. Auch dieses Jahr finanzierten sie wieder mit unserer Hilfe, einen Teil der Lehrergehälter, bzw. es wurden in einer Schule die Bänke repariert.
Ich schätze, dass in 50 % aller haitianischen Schulen die Lehrer und Kinder keine Bücher haben, da diese einfach teuer sind und kein Geld dafür da ist.
Am anderen Morgen lieferte ich in beiden Schulen die Bücher an, großes Hallo der Kinder und der Lehrer. Allerdings ist der Trampelpfad fast nicht passierbar.
Am Dienstag besuchte uns Eli, der Vize-Schulleiter von Billiguy.
Als wir die Schule das erstes Mal vor 5 Jahren besuchten, waren wirklich fast 200 Kinder in einer windschiefen Bretterbude untergebracht. Wir finanzierten den Bau einer neuen Schule und verpflichteten uns per Vertrag für die nächsten 5 Jahre die laufenden Kosten, wie Lehrergehälter, Bücher und Schuluniform zu tragen.
Dafür dürfen aber nur höchsten 34 Kinder in einer Klasse sein und in jeder Schulbank zwei Kinder sitzen. Nun sind zwei Schulen im weiteren Umkreis von Billiguy wegen finanziellen Problemen geschlossen worden und die Kinder wurden nach Billiguy geschickt. Mit dem Ergebnis, dass jetzt fast 50 Kinder in jeder Klasse sind. Die Eltern bezahlen alle ein bisschen Schulgeld. Davon wird Kreide, Papier usw. gekauft. Da mischen wir uns nicht ein. Natürlich je mehr Kinder, desto mehr Geld für den Direktor. Jedoch nicht in unserem Sinne und auch nicht vertraglich so vereinbart.
Trampelpfad zu unseren NachbarschulenIch lehne es ab für November die Gehälter zu bezahlen und bestelle den Direktor ein. Bin mal gespannt.
Am Nachmittag kommen Anna und Elisa (zwei deutsche Studentinnen) aus der Dominikanischen Republik mit dem Bus in Port-au-Prince an. Für die zwei jungen Frauen ist es ein Abenteuer nach bestandenem Studium Abschluss nach Haiti zu reisen. Damit uns die Beiden nicht „verloren gehen“ werden sie von Yves Marie und Marie abgeholt. Der Bus kommt zwar zwei Stunden zu spät in PaP an, aber es klappt noch, dass alle vier den letzten Bus ins Plateau Central bis nach Hinche, der Hauptstadt des Departements erreichen. Ich hole sie dort ab, allerdings müssen wir bei Dunkelheit eine Stunde schlimmste Piste fahren und auch die sechs zu durchquerenden Flüsse sind teilweise recht hoch, da es in den letzten Tagen abends regnete.
Klappt alles super. Allerdings ist Anna wohl schon seit Wochen krank. Beide Mädels hatten für einige Wochen Südamerika bereist.
Yves Marie, ein ehemaliges Patenkind unseres Projekts wird als Ärztin alle Kinder und Lehrer untersuchen. Farah und Yves Marie, die sich seit 20 Jahren kennen, freuen sich sehr sich zu sehen. Yves Marie hat alle Medikamente, sowie Zahnbürsten, Zahncreme, einfach alles was nötig ist für uns gekauft.
Wir verbringen einen lustigen Abend und alle sind schon gespannt wie es wohl mit den Untersuchungen klappen wird.
Es ist schön unsere ehemaligen Patenkinder, jetzt erfolgreiche Erwachsene bei uns zu haben.

Bis bald und liebe Grüße Roswitha

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